“Gemeinsam Sicher”: Polizei “unterrichtet” unsere Asylwerber

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Unterrichtsstart der Polizei im Weichenstellwerk: Ein Polizist vermittelte Asylwerbern am 14. Juli erstmals Wissen über Rechte, Pflichten und Gepflogenheiten und stand für Fragen zur Verfügung.

Was ist Recht, was ist Unrecht in Österreich? Wie ticken Ämter, Behörden und Polizisten? Im Rahmen der Community-Policing-Initiative „Gemeinsam Sicher“ vermittelt die Grazer Polizei AsylwerberInnen in der Sprach- und Lebensschule „Weichenstellwerk“ ab sofort umfassende Informationen zur diesen Themen. „Denn das Wissen um Rechte, Pflichten und Gepflogenheiten gibt den Menschen – egal woher sie stammen und wo sie leben – Sicherheit, fördert die Gemeinschaft und ist damit genauso wie Spracherwerb essentiell für die Integration“, sagt Chefinspektor Werner Miedl, Geschäftführer von „Sicher Leben“ und Community Referent der Grazer Polizei. „Mit der Wissensvermittlung im ,Weichenstellwerk‘ leistet die Polizei dazu einen wichtigen Beitrag. Gleichzeitig wollen wir unseren Asylwerbern die oftmals vorhandene Scheu vor unseren Polizisten nehmen.“

Die Idee zu diesem „Unterricht“ stammt von Chefinspektor Michael Kosmus, Leiter der Polizeiinspektion Paulustor AGM und Community Polizist für asyl- und fremdenrechtliche Angelegenheiten. Sein Kollege Bezirksinspektor Manuel Leitner von der Polizeiinspektion Graz-Schmiedgasse – er ist einer der Community Polizisten für den Bezirk Innere Stadt – setzte das Vorhaben am Donnerstag, 14. Juli 2016, erstmals in die Praxis um. 25 unserer Asylwerber aus Afghanistan, dem Irak, Iran und aus Syrien nahmen daran teil. In kurzen Sätzen erklärte ihnen der erfahrene Polizist unter anderem, welche Konsequenzen das Nichteinhalten von Gesetzen nach sich ziehen können, das richtige Verhalten von und gegenüber Polizisten bei Amtshandlungen und grundsätzliche Dinge wie die Tatsache, dass in Österreich alle Menschen vor dem Gesetz gleich behandelt werden und der Staat – und damit auch die Polizei – nur nach den Gesetzen handeln darf. Daneben spielte der Polizist mit den Asylwerbern auch eine Ausweiskontrolle durch. “Lasst die Hände dabei nicht in den Hosentaschen – die Hände sollten für uns sichtbar sein”, riet er ihnen dabei – und erklärte auch, warum: “Wir wissen nicht, ob ihr etwas eingesteckt habt – zum Beispiel ein Messer – und uns damit attackieren wollt. Wenn die Hände für uns sichtbar sind, gibt das uns als Polizisten Sicherheit und nimmt viel Anspannung weg.” Zwei Helfer des Weichenstellwerks, Fereydun Zahedi aus Afghanistan und Tammam Al Barazi aus Syrien, fungierten bei Bedarf als Übersetzer.

Die teilnehmenden Asylwerber zeigten sich von diesem „Unterricht“ begeistert. Spätestens ab Herbst sollen derartige Unterrichtseinheiten fest im Lehrplan des „Weichenstellwerks“ verankert sein.

Über die Initiative „Gemeinsam Sicher“:
Mit „Gemeinsam Sicher“ forciert das Innenministerium das sogenannte Community Policing, also bürgernahe Polizeiarbeit. Ziel ist es, den gemeinsame Dialog und Austausch zwischen den BürgerInnen, Gemeinden sowie der Polizei im Sinne der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung, einen Beitrag zu einem sichereren Leben zu gestalten, zu etablieren. Weitere Informationen sind unter diesem Link zu finden.